| Sitzt man neben dem Gipfelkreuz
des Rinnerkogels und genießt das Alpenpanorama, so
kann man zwischen dem Rinnerkogel und dem im Süden
gelegenen Loser die größte Karsthochfläche
des westlichen Toten Gebirges beobachten.
Hier wird der Name dieses Gebirges lebendig. Regenwasser
in Verbindung mit dem Kohlendioxid der Luft und Vegetation
bildet eine schwache Säure, die im Lauf von Jahrtausenden
das Kalkgestein auflöst; zum einen an der Oberfläche
in Form von schüssel- bis trichterförmigen Dolinen
und scharfen Karren, welche die Gesteinsoberfläche
ziselieren, zum anderen als Höhlen entlang von Klüften
im Berginneren.
Die Verkarstung ist an sich ein natürlicher Prozess,
der bereits seit Jahrmillionen andauert. Davon zu unterscheiden
ist die Bodenabtragung, die vom Menschen durch Abholzung
oder Überweidung verursacht werden kann und die Verkarstung
beschleunigt. Dies ist zweifelsohne in früheren Jahrhunderten
auch in unserer Gegend gebietsweise geschehen.
Andere nicht oder nur wenig verkarstungsfähige Gesteine
(Dolomite, Jurakalke), die in kleinen Gebieten innerhalb
der Dachsteinkalke vorkommen, wirken durch ihre dichtere
Vegetation wie grüne Inseln im kargen Karstgebiet,
z. B. die Schwarzenbergalm (Ischler Hütte), der Grünberg
(von den Ebenseern „Plagitzer“ genannt) oder
der Bereich um den Wildensee. Der See liegt in einer von
einem Gletscher ausgeschürften und mit Moränen
abgedichteten Hohlform (Doline) und wirkt fast wie ein Fremdkörper
inmitten des Karstplateaus. Die Bezeichnung „Karst“
ist ursprünglich ein Eigenname für das Gebirgsland
in der Umgebung von Triest.
Diese Landschaft zeichnet sich durch ihre Kargheit aus.
Wegen der Klüftigkeit des Kalkgesteins fließt
der Großteil des Wassers unterirdisch ab.
Wegverlauf
Nachdem man sich in der Rinnerhütte von den Strapazen
des Anstiegs vom Offensee herauf erholt hat, ist die Wanderung
zum Wildensee, die südlich der Rinnerhütte über
den Rinnerboden entlang der Talsohle des Rinnerbaches zwischen
dem Feldkogel und dem Rinnerkogel verläuft (Weg Nr.
212), pure Erholung. Es kommt im Toten Gebirge sehr selten
vor, dass man einen Bach plätschern hört oder
sich im kalten Gebirgswasser eines Sees erfrischen kann
- steht doch noch der Anstieg auf den Rinnerkogel bevor.
Dazu geht man auf dem Weg ein paar Minuten zurück
und zweigt nach links auf den Steig Nr. 231 ab. Der Abschnitt
über den Südrücken des Rinnerkogels ist beschwerlich,
es sind viele Dolinen und Kare zu überwinden. Hat man
den Rinnersattel erreicht, geht es über die breite
Westflanke auf den Gipfel.
Vom Rinnersattel zweigt der Weg Nr. 230 zum Hochkogelhaus
ab. Diese lange Tour (etwa 5 St.) führt an den Süd-
und Westhängen des Gr. Scheiblingkogels vorbei zum
Hintergras. Rechts gelangt man durch das eindrucksvolle
Feuertal zum Hochkogelhaus, links zweigt der gesicherte
Steig über den Ostgrat des Schönbergs (nur für
Schwindelfreie) zum Gipfel und weiter über den Westgrat
zum Hochkogelhaus ab.
Kurzinformation
Ausgangspunkt: Parkplatz am Offensee
Gehzeit: Parkplatz - Rinnerhütte: 2 1/2 St.; Rinnerhütte
- Wildensee: 1/2 St.; Wildensee - Rinnerkogel: 2 St.
Höhenunterschied: Parkplatz Offensee - Rinnerkogel:
1357 m
Anforderungen: alpine Bergtour, die Kondition und Trittsicherheit
erfordert
Einkehrmöglichkeit: Rinnerhütte, Restaurant „Zum
Jagdschloss Offensee“, Jausenstation Seeau

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