| Selbstverständlich locken
den Touristen, für den das Natur- und Freizeiterlebnis
im Vordergrund steht, in erster Linie die vielfältigen
Gipfelziele und Aussichtspunkte rund um Ebensee. Ehe der
Urlauber die Enge des Tales verlässt, kann ihm empfohlen
werden, sich mit der Arbeit und dem Leben der Leute sowie
der Geschichte des Marktes auseinander zu setzen.
Der thematische Rundweg durch Ebensee bietet dafür
eine einmalige Möglichkeit. Der Themenweg führt
den zwanglos spazierenden „Geschichtswanderer“
an alle historisch interessanten Stätten. Schautafeln
mit alten Bildern und kurzen Erklärungen machen mit
der Ortsgeschichte vertraut.
Thematischer Schwerpunkt der Route ist die Industriegeschichte
Ebensees, denn über Jahrzehnte hinweg war die Salzgewinnung
die primäre Erwerbsmöglichkeit der Ebenseer. Wo
in den 70 er Jahren ein modernes Gemeindezentrum errichtet
wurde, übrigens Ausgangs- und Endpunkt der Route, befand
sich das große Sudhaus.
Im sehenswerten Ebenseer Heimathaus, das eingehend über
die Geschichte der Salzproduktion informiert, war die Salinenverwaltung
untergebracht. Um die Jahrhundertwende avancierte Ebensee
zum Standort weiterer industrieller Großbetriebe:
die Pendeluhrfabrik (1872), die Ammoniak-Sodafabrik der
Brüder Solvay (1883 - 1885), die Steinbruchanlage der
Gmundner Zementwerke Hatschek (1909) und die Pottendorfer
Weberei und Spinnerei (1910).
Es entwickelte sich eine selbstbewusste Industriearbeiterschaft,
die sich in den Bürgerkriegstagendes Februar 1934 eine
Woche lang den faschistischen Milizen widersetzte. Ebensee
wurde nicht ohne Grund das „proletarische Zentrum
des Salzkammergutes“ genannt.
Etwas außerhalb des Ortszentrums errichteten die Nationalsozialisten
im November 1943 eines der berüchtigten Nebenlager
des KZ Mauthausen. Industrielle Rüstungsproduktion
durch den Einsatz von Zwangsarbeitern kennzeichnet die eineinhalbjährige
Existenz des Todeslagers.
Ein Drittel aller Inhaftierten - rund 8.500 aus ganz Europa
- überlebte das KZ Ebensee nicht. Heute erinnern nur
noch das Haupteingangstor des Lagers, ein Gedenkfriedhof,
der „Löwengang“ und die gigantischen unterirdischen
Stollenanlagen mit einer historischen Dauerausstellung an
das Konzentrationslager.
Über Handel und Gewerbe in der Marktgasse, die Nutzung
des Traunflusses für die Traunflößerei oder
über prominente Ebenseer Urlaubsgäste wird der
Wanderer ebenso informiert wie über die heute rund
70 Jahre alte Tradition des Wintersports auf dem Feuerkogel.
Die historisch gewachsene Gastlichkeit, die in den zahlreichen
ehrwürdigen Gastronomiebetrieben und Wirtshäusern
gepflegt wird, muss der Besucher selbst testen. Er wird
von der traditionellen Ebeseer Wirtshauskultur nicht enttäuscht
sein.
Wegverlauf
Der Routenverlauf ist ausreichend beschildert. Rund 30 Bild-
und Texttafeln erklären und informieren. Von der Bahnhaltestelle
„Landungsplatz“ unmittelbar beim Rathaus führt
der Weg über die so genannte „Herrenstiege“
zum Heimathaus
(permanente Ausstellung) und weiter zur katholischen Pfarrkirche
und der 1779 errichteten „Alten Volksschule“,
die ein zeitgeschichtliches Museum beherbergt.
Am Ende der Marktgasse - mit vielen Geschäften - erreicht
man die Traunbrücke, die überquert wird. Am rechten
Traunufer beginnt, flussaufwärts führend, der
Offenseeweg, der, vorbei an der „Uhrfabrik“
und den Solvaywerken, in den Ortsteil Roith mündet.
Von dort ist es nicht mehr weit zur
KZ-Gedenkstätte mit der Ausstellung in den unterirdischen
Stollenanlagen und dem Lagertor. Der historische „Löwengang“
- die Häftlinge prägten diesen Namen, weil sie
wie Zirkustiere durch einen stacheldrahtbewehrten, steinigen
Weg zur Arbeit in den Steinbruch getrieben wurden - endet
in der Nähe des großen, stufenförmigen Steinbruchs
der Gmundner Zementwerke.
Die Alte Traunstraße wird links über den Schwaigerweg
zum weithin sichtbaren, architektonisch interessanten Industriegebäude
der aufgelassenen Weberei verlassen. Über die Geleise
der 1877 fertig gestellten Salzkammergutbahn erreicht man
den Haupteingang der Solvaywerke - eine Betriebsführung
ist nach Vereinbarung möglich - mit den alten Arbeiterhäusern.
Unmittelbar nach der
Traunbrücke zweigt man rechts auf den Traunuferweg
ab und erreicht über den Rathausplatz die Bahnhaltestelle
„Landungsplatz“.
Kurzinformation
Ausgangspunkt: Rathausplatz (Parkplatz und Anschluss an
Bahn und Traunseeschifffahrt)
Gehzeit: mindestens 3 St.; bei Aufenthalt im Heimathaus,
Zeitgeschichtemuseum und bei KZ-Gedenkstätte entsprechend
länger. Der Rundweg kann jederzeit verlassen oder in
Etappen begangen werden.
Anforderungen: kultur- und zeitgeschichtliches Interesse
Einkehrmöglichkeit: Gasthäuser im Ort

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